zukunft beginnt jetzt
>> PDF AGROSCOPE SCIENCE | NR. 111 / 2021
Die drei Ziele von ALL-EMA umfassen das Monitoring der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Agrarlandschaft der Schweiz, welche stark von der Landwirtschaft geprägt ist, die Evaluation der Biodiversitätsförderflächen sowie die Forschung. Es ist vorgesehen die Datenerhebung in 5 Jahres-Zyklen durchzuführen. Was ALL-EMA bedeutet, wie ALL-EMA eingebettet ist, wie die Daten erhoben werden sowie die komplexe Datenlage mit all ihren Details bis hin zur Synthese ist im reich bebilderten Bericht sowie aus den übersichtlichen Grafiken ersichtlich.
>> Seit 2015 erhebt Agroscope den Zustand von Lebensräumen und Arten in der Schweizerischen Agrarlandschaft. Was sind die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Biodiversität? Wirken die agrarpolitischen Instrumente? Wie sind die regionalen Unterschiede? Wie reagieren die Arten und Lebensräume? Das Programm ALL-EMA «Arten Lebensräume Landwirtschaft – Espèces milieux agricoles» soll Antworten auf diese Fragen liefern.
Es legt die Grundlagen dafür, dass künftige Entwicklungen und Fragestellungen zur landwirtschaftlichen Biodiversität evidenzbasiert beurteilt werden können. Zudem profitiert es von zahlreichen Synergien mit den anderen Umweltmonitorings, die es ALL-EMA unter anderen ermöglichen, auch Vögel und Schmetterlinge in seine Ergebnisse einzubeziehen.
Nun liegt der erste Zustandsbericht vor. Er zeigt auf, wo die grössten Herausforderungen zur Erreichung der Umweltziele im Bereich Biodiversität bestehen. <<
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Die Schweiz ist ein dichtbesiedeltes Land mit einer vielfältigen Industrie, die Landwirtschaft ist hoch technisiert und effizient. Wenn wir an unser sauberes Wasser denken und die im Vergleich zum Ausland gute Luftqualität, so müsste es bei uns um die Biodiversität bestens bestellt sein. Nehmen wir an. Doch so ist es leider nicht.
Um dem Trend des Zubetonierens selber etwas entgegenzusetzen sind wir gefordert im Kleinen wie im Grossen möglichst viele Flächen von Teer, Beton usw. zu entfernen, oder darauf Kisten, Tröge usw. zu stellen, um einheimischen Pflanzen einen Lebensraum zu geben, den sie sonst nicht hätten. Die von unserer bereits kargen Landschaft bedrohte Artenvielfalt wird es uns danken.
Ebenso sollten wir unser Augenmerk auf die invasiven Neophyten richten. Auch sie bedrohen die heimische Biodiversität. Oben im Bericht Agroscope wird unter 3.4 Zusatzindikatoren/Seite 42 ff auf das Problem der invasiven Neophyten als Bedrohung der heimischen Biodiversität näher eingegangen. Die inzwischen verschwundenen oder bedrohten heimischen Pflanzen beeinflussen oder bedrohen zugleich die Lebensgrundlage von anderen Arten wie anhand von Schmetterlingen (Tagfaltern) oder Brutvögeln illustriert wird. Auch ganz unten auf dieser Seite wird das Thema Neophyten aufgenommen.
Wer sich zum Thema in der Schweiz selber informieren möchte, findet zudem im >> Forum für Biodiversität Schweiz interessante Artikel und weiterführende Fakten. Das Forum ist ein breit aufgestelltes, wissenschaftliches Kompetenzzentrum zur biologischen Vielfalt bei uns.
Immer noch aktuell sind die IPBES Berichte vom Mai 2019 zum Zustand der Biodiversität in Europa und Zentralasien. Erschreckend: 1 Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Noch erschreckender: Der Mensch zerstört seine Lebensgrundlagen. Die Organisation IPBES zählt 132 Mitglieder. Alle Staaten der Vereinten Nationen sind für eine Mitgliedschaft teilnahmeberechtigt. >> PDF IPBES Factsheets english 05/2019.
Zu Neophyten gibt es, wie so oft, verschiedene Haltungen. Es ist normal, dass wir eine Pflanze mögen oder auch nicht. Wenn überhaupt, dann lernt man von ihnen bloss den botanischen oder umgangssprachlichen Namen kennen. Inzwischen schauen wir vermehrt darauf, ob sie gebietsfremd oder bei uns zu Hause sind.
Die kanadischen Goldruten zum Beispiel wurden in Gärtnereien angeboten, gefielen sie, wurden sie für ein paar Batzen gekauft und verbreiteten sich zunächst in den Gärten. Dass es sich dabei um Neophyten handelte, war beim Einkauf nicht ersichtlich. Dass diese Neophyten invasiv sind, ist heute noch ein Problem.
Es gibt einige hübsche, importierte oder aus Samen aufgezogene, nicht invasive gebietsfremde Gartenpflanzen, wie der Hibiskus oder all die nicht winterharten Topfpflanzen, wie der Oleander. Wenn sie unser Gemüt erfreuen, schenken sie uns ebenfalls einen vertretbaren, persönlichen Nutzen.
Insekten, Käfer, Vögel, alle pflanzenfressenden Tiere kennen sich bei Pflanzen aus. Sie fressen was ihnen schmeckt und (hoffentlich) wohl bekommt. Was sie nicht mögen bleibt stehen.
Unsere Neophyten, welche alle unsere Pflanzenfresser links liegen lassen, können dadurch zum Problem werden, sie haben hier keinen Nutzen und keine Fressfeinde. Verdrängen sie heimische Arten und verbreiten sie sich womöglich noch in Windeseile, so verhalten sie sich invasiv, sie setzen sich überall fest, wo es ihnen zum Gedeihen gefällt und ihnen der Mensch nicht in die Quere kommt.
Es gibt in der Welt sehr unterschiedliche Habitate, sowie für ihre Pflanzen, Pilze, Tiere und Mikroorganismen viele Verbreitungswege. Dies betrifft hübsche, hässliche, grosse, kleine, nesselnde, fein duftende, heimliche und unheimliche Dinge in der Luft, auf dem Boden und in der unterirdischen Biomasse, es ist die vielfältige Palette der Natur. Besonders heimtückisch vermehren sich manche Pflanzen, die wir eigentlich nicht sehen wollen, netzartig mit unterirdischen Auslegern. Auch Neophyten sind Teil dieser Natur, sie sind lediglich anderswo zu Hause. Bei uns sind sie total fehl am Platz, vor allem wenn sie sich, von der Tierwelt gemieden, invasiv verbreiten können. Dann haben wir Menschen auch noch die invasiven Neophyten am Hals. Wir können jedoch das Problem angehen, sobald wir sie bestimmen können.
In die Quere stellen sollten wir uns ihnen ohne Frage, sonst breiten sie sich überall aus, so wie das Berufskraut. Ob es blüht oder nicht, wird die Schmetterlinge nicht gross kümmern, Es blüht für uns, so könnte man meinen, damit wir es besser erkennen können. Wir sollten uns einmal mehr einen Ruck geben, vermitteln die unbekümmert strahlenden Blüten, uns bücken und die invasiven Störenfriede am besten mit Stumpf und Stiel ausrupfen und entsorgen.
Im Bericht Agroscope (siehe ganz oben) wird unter 3.4 Zusatzindikatoren/Seite 42 ff auf das Problem der invasiven Neophyten als Bedrohung der heimischen Biodiversität näher eingegangen.
Es gibt, wie praktisch überall, ein grosses Potenzial für Verbesserungen. Schöne Worte allein genügen nicht. Wichtig ist zudem auch das Umfeld. Inzwischen hat auf Bundes- Kantons- und Gemeinde- Ebene ein gewichtiges Umdenken stattgefunden. Nebst Umweltorganisationen wie Pro Natura, WWF, Birdlife etc. sowie Private widmet sich auch die öffentliche Hand der Artenvielfalt (siehe > links).
In vielen Gemeinden, so auch in Riniken, haben sich Neophytengruppen gebildet, welche auf dem Gemeindegebiet als Freiwillige im Einsatz sind.
Über 20 Aargauer Gemeinden haben sich dem Projekt ,Natur findet Stadt' angeschlossen (siehe > links). Dazu gehört seit Mai 2022 das nahegelegene Brugg sowie einige Gemeinden des Juraparks. Der Fokus liegt nicht etwa allein auf dem öffentlichem Raum, auch die Bevölkerung wird unterstützt, so wird ihr beispielsweise eine Gartenberatung bezahlt.
Projekte zur Aufwertung des Lebensraumes, insbesondere auch die Entsiegelung von Hartflächen, um den Bodenorganismen Luft zum Atmen zu geben, sind für die Umwelt, zu der auch wir gehören, lebenswichtig. Pflanzen und Tiere brauchen zum Überleben einen natürlichen Lebensraum. Die Versiegelung der Böden führt zudem zu grösserer Hitze, es fehlt der Wasserspeicher bei Trockenheit.
Auch für den Hirschenplatz heisst es: Einsatz für die Biodiversität.